Veranstaltungshinweis: Aufwachsen in Ostdeutschland – Uni lädt zum Zuhören und Austauschen ein
Veranstaltungshinweis: Aufwachsen in Ostdeutschland – Uni lädt zum Zuhören und Austauschen ein
Anlässlich des Diversity Days 2025, der am 27.05. zum 13. Mal begangen wurde, fand an der Bergischen Universität eine ganztägige Veranstaltung unter dem Motto „Klassismus in Lehre und Forschung“ statt.
Nach einer Begrüßung und Einführung von Sophie Charlott Ebert (Leiterin der Stabsstelle für Gleichstellung und Vielfalt) startete das Tagesprogramm mit dem Brown Bag Lunch zum Thema „Networking Diversity“, moderiert von Miriam Schwarzenthal und Anna Baumert. Zu Beginn wurde der Moodle-Kurs „Netzwerk Diversität an der BUW“ vorgestellt, der einen Überblick bietet über bestehende Forschungsschwerpunkte zu Diversität in unterschiedlichen Disziplinen an der BUW und niedrigschwelligen Vernetzungsmöglichkeiten wie zukünftige Brown Bag Lunches. Bei Interesse an dem Kurs kann Miriam Schwarzenthal kontaktiert werden. Ein anschließendes „Speed-Dating“ und eine Diskussion hatten zum Ziel, interdisziplinäre Kooperationen für die Zukunft zu etablieren und zu stärken. Es fand ein Austausch über Forschungsschwerpunkte und -herangehensweisen zu Diversität in unterschiedlichen Disziplinen an der BUW statt. Zudem wurden Wünsche in Bezug auf eine nachhaltige Vernetzung zu Diversität an der Uni und Vorschläge für eine partizipative Fortführung der Diversity Lunches gesammelt. Zentrale Anliegen waren ein größerer Überblick über Forschung zu Diversität an der Uni, eine Bündelung von Forschungsressourcen, Möglichkeiten gemeinsamer Drittmittelanträge und eine Verknüpfung mit Initiativen der Stabsstelle Gleichstellung und Vielfalt. Ebenso wurde angeregt, bei Diversity Lunches neben Vorträgen ein interaktives Kennenlernen zu ermöglichen und informelle Räume, wie einen Stammtisch zu schaffen, um einen Austausch auf Augenhöhe und ggf. ein Mentoring zu fördern.
„Not so easy: die eigene Stimme zu erheben“ – Impulsvortrag von Markus Rieger-Ladich
Warum ist es so schwer, die eigene Stimme gegen Klassismus zu erheben – und was hat das mit gesellschaftlicher Rhetorik, Identitätspolitik und Klassenscham zu tun? In seinem ebenso analytischen wie engagierten Vortrag beim Diversity Day zeigt Markus Rieger-Ladich (Universität Tübingen), wie soziale Ungleichheit im öffentlichen Diskurs oft verschleiert wird – sei es durch symbolische Anerkennung oder Ablenkungsdebatten. Mit Bezug auf Edward P. Thompson und Annie Ernaux macht er deutlich, dass gesellschaftliche Verhältnisse zwar prägen, aber nicht festschreiben – und dass Veränderungen möglich sind, wenn wir sie gemeinsam denken und gestalten. Zum Schluss skizziert er konkrete Impulse zur Demokratisierung von Hochschulen – kritisch, differenziert und motivierend. Lust bekommen, den ganzen Vortrag zu hören?
Hier ist der Link: https://open.spotify.com/episode/0xP7DgCZQLARaWR3LxAKTC?si=3zTV1l1NSCaWJHpkCU5Yow
Im Anschluss an den Impulsvortrag stellte Arbeiterkind.de sich mit Unterstützungs- und Kontaktmöglichkeiten vor und führte einen interaktiven Privilegien-Test durch. Anhand von Fragen zu wahlweise fiktiven oder persönlichen Bildungsbiographien konnten sich die Teilnehmenden auf einer Skala positionieren. Die Positionierungsübung regte dazu an, Privilegien aber auch mögliche Hürden und Schwierigkeiten auf dem jeweiligen Bildungsweg nachzuvollziehen, zu reflektieren und diskutieren.
In den Workshops „Hidden Curriculum – (Un)Zugehörigkeit“ und „Klassismus in Seminarraum, Sprechstunde und Co.“ ging es zum einen um einen Austausch zu Erfahrungen mit klassistischer Diskriminierung, Ausgrenzung, Barrieren und Unsicherheiten aufgrund unausgesprochener Regeln und sozialer Erwartungen, des sogenannten Hidden Curriculums. Zum anderen wurden Handlungsoptionen und Ideen zu möglichen Unterstützungsangeboten gesammelt, die den Herausforderungen für Studierende im Hochschulalltag entgegenwirken sollen.
Im Workshop „Hidden Curriculum“ äußerten Teilnehmende Schwierigkeiten im Verstehen des Wissenschaftssystems und der damit verbundenen Normen und Maßstäbe, die Ohnmachtsgefühle auslösen können. Missverständnisse über Erwartungen, wie zum Beispiel Kommunikationsstile und das Verhalten in Gruppensituationen, aber auch das Abwerten von Rückfragen und deren Nichtbeachten führen zu Unsicherheiten und Rückzug. Die Teilnehmenden des Workshops zum Thema Klassismus untersuchten, wie soziale Herkunft und ökonomische Faktoren die akademischen Erfahrungen von Studierenden beeinflussen. Sie diskutierten, wie Vorurteile und benachteiligende Strukturen in der Hochschulbildung verankert sind, formulierten Forderungen nach Sensibilität und Reflexivität in der Lehre und konkrete Lösungsvorschläge für eine inklusivere Hochschulkultur. Ideen, wie das Angebot von Mentoring-Programmen, der Schaffung transparenter Informationsangebote und die Förderung von Partizipation durch diverse Formate wurden in beiden Workshops diskutiert.
Programm als PDF
Ergebnisse der Mentimeter-Umfrage
Ergebnisse aus den Workshop-Gruppen
Der Diversity Day 2024 wurde am 28. Mai zum 12. Mal begangen. An der Bergischen Universität fand der Diversity Day am 11.06.2024 zwischen 12:00 und 16:00 Uhr statt.
Nach einer kurzen Einführung von Sophie Charlott Ebert (Leiterin der Stabsstelle für Gleichstellung und Vielfalt) und Nicole Potenza (Antidiskriminierungsreferentin) startete das Tagesprogramm mit dem Brown Bag Lunch zum Thema „Networking Diversity“, moderiert von Miriam Schwarzenthal und David Gerlach. Unter dem Anspruch einer Bündelung von Initiativen, die an der Bergischen Universität in unterschiedlichen Disziplinen und mit unterschiedlichen Schwerpunkten das Thema Diversität bearbeiten, wurde kollaborativ eine „Diversitätsforschungslandkarte“ erarbeitet. Im Fokus stand hier der Austausch über Forschungsschwerpunkte und -herangehensweisen mit dem Ziel, interdisziplinäre Kooperationen für die Zukunft zu etablieren und/oder zu stärken. Auch externe Partner*innen vom Projekt DiversiTeach des Netzwerks Lehrkräfte mit Zuwanderungsgeschichte des Landes NRW waren vertreten und stellten sich vor. Weiterhin wurde die Planung eines "Diversity Lunches" angestoßen - eines nachhaltigen Vernetzungsformates an der Bergischen Universität zur Intensivierung des wissenschaftlichen Austauschs.
Im Anschluss hielt Zeynep Demir einen Impulsvortrag zum Thema „Diversitätssensibilität und Rassismuskritik in der Lehre und im Hochschulkontext“. Sie betrachtete die Vielfaltsbestrebungen an Hochschulen und sprach sich dafür aus, Diversität in erster Linie als Chance und Ressource zu sehen. Sie betonte, dass Hochschulen Strategien zur Förderung der Chancengleichheit entwickeln müssen, - auch in der Hochschullehre und im akademischen Umfeld - um das Potenzial der Vielfalt besser ausschöpfen zu können. Eine Strategie - so Demir - sei die Anerkennung und Förderung von Vielfalt, verbunden mit einer selbstkritischen Reflexion und dem Abbau von Diskriminierungs- sowie Ausschlussmechanismen, die der Vielfalt und der gleichberechtigten Teilhabe im Wege stehen. Diversität und Antidiskriminierung werden somit als zwei Seiten derselben Medaille bzw. derselben Policy verstanden.
Die Ideenwerkstatt „Lehre diversitätsreflexiv und rassismuskritisch gestalten", moderiert von Sophie Charlott Ebert, hatte die Betrachtung der Frage einer diversitätsreflexiven (und rassismuskritischen) Gestaltung von Lehre als Ziel. Die Ideenwerkstatt nahm dabei Anschluss an die im Rahmen der „Leitbild Lehre. Gemeinsam Lehre denken“-Initiative bestehende Werkstatt zum Thema „Zeitgemäße Hochschullehre im Kontext von Diversität, Diskriminierungskritik und Digitalität“ und fokussierte insbesondere eine rassismuskritische Perspektive. Auf Basis macht- und differenzkritischer Reflexionen, in denen z.B. unter Verweis auf Critical Whiteness Studies auch Involviertheiten und Widersprüche als konstitutive Momente von Macht und Herrschaft im universitären Kontext einbezogen werden (können), wurden gemeinsam konkrete Empfehlungen (Ideensammlung) für eine macht- bzw. rassismuskritische(re) Lehre entwickelt.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einer MentiMeter-Abfrage zur Frage: „Was ist mir wichtig im Umgang mit Diversität und Rassismuskritik?“. Anschließend wurden vier Teilnehmer*innen-Gruppen gebildet, die im Rotationsverfahren vier Stationen besuchten und sich zu den folgenden Fragen ausgetauscht und Ideen gesammelt haben:
Station 1, moderiert von Miriam Schwarzenthal: Was verstehen wir unter rassismuskritischer und diversitätsreflexiver Hochschullehre?
Station 2, moderiert von Gizem Evin Bülbül: Wie wird Diversität, Diskriminierungs- und Rassimuskritik aktuell an unserer Universität in der Lehre berücksichtigt? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus?
Station 3, moderiert von Zeynep Demir: Welche konkreten Schritte können wir unternehmen, um Diversität, sowie Diskriminierungs- und Rassismuskritik in die Lehre zu integrieren, ohne dabei diskriminierende Strukturen zu reproduzieren?
Station 4, moderiert von Kira Sandrock & Noam Lutgen: Wie können Studierende aktiv in den Prozess der Berücksichtigung von Diversität und Rassismuskritik in der Lehre einbezogen werden? Welche Rolle können studentische Initiativen dabei spielen?
Programm als PDF
Wir danken allen Beteiligten für ihr Engagement. Eine Fotodokumentation der Ergebnisse aus dem Brown Bag Lunch und der Ideenwerkstatt und ein Handout zum Vortrag können unter der antidiskriminierung[at]uni-wuppertal.de angefragt werden.